Untersuchung zur pädagogischen Qualität der klassischen Kindertagespflege und der Großtagespflege in Baden-Württemberg

im Auftrag der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg

In Folge des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Geburtstag erfolgte ein massiver Ausbau der Kindertagesbetreuung. Als gleichberechtigtes Bildungs- und Betreuungsangebot betrifft dies auch die Kindertagespflege: Allein in Baden-Württemberg verdoppelte sich innerhalb der letzten fünf Jahre die Anzahl der in der Kindertagespflege betreuten Kinder. Neben dem quantitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung gilt es auch die Entwicklung der pädagogischen Qualität in den verschiedenen Betreuungsformen in den Blick zu nehmen.

Im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung und im Rahmen des Programms „Innovative pädagogische Angebote der außerfamiliären Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern unter 3 Jahren” führt die Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen (FVM, Kandern) eine Untersuchung zur pädagogischen Qualität der klassischen Kindertagespflege und der Großtagespflege in Baden-Württemberg durch. Durch systematische Beobachtung des Alltagsgeschehens werden Daten erhoben, die den Ist-Zustand pädagogischer Qualität in der Kindertagespflege abbilden und so einen Vergleich der beiden Angebotsformen möglich machen.

Die Projektlaufzeit ist vom 1. September 2015 bis 1. August 2017. Dabei werden in 30 klassischen Tagespflegestellen sowie in 30 Großtagespflegestellen Erhebungen durchgeführt, welche die Besonderheiten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Formen der Tagespflege sichtbar machen sollen.

Wie wird die Qualität erfasst?

Die Qualität der Kindertagespflegestellen wird auf der Basis von Beobachtungen anhand der Kindertagespflege-Skala (TAS-R) erfasst. Die TAS-R ist ein bewährtes Instrument zur Feststellung und Unterstützung pädagogischer Qualität, das speziell für die Anforderungen und Bedarfe in der Kindertagespflege entwickelt wurde und durch trainierte Wissenschaftler angewendet wird. Darüber hinaus werden zusätzliche Qualitätskriterien der Interaktions- und Raumqualität in den Blick genommen, die aufgrund von Erfahrungen mit dem PromiK-Verfahren zur Qualitätserhebung in Kindertageseinrichtungen entwickelt wurden.
Leitfadengestützte Interviews mit den Tagespflegepersonen ergänzen die Beobachtungen.

Was ist das Anliegen der Studie?

Nach dem massiven Ausbau an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren wird auch die Frage nach der Qualität in der Kindertagespflege immer dringlicher. Gleichzeitig knüpft die Untersuchung an den bisherigen Bestrebungen an, die bisher zu wenig beachteten Faktoren in den Blick zu nehmen, welche die pädagogische Qualität in den verschiedenen Formen der Kindertagespflege beeinflussen.
Ziel der Studie ist es, Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Strukturen, Orientierungen und Prozessen der beiden Formen der Tagespflege herauszuarbeiten und eine angebotsspezifische Weiterentwicklung der Qualität anzuregen. So können den Kindertagespflegepersonen Impulse für die Weiterentwicklung eigener Professionalität gegeben werden.

Zudem ermöglicht der Vergleich von klassischer Kindertagespflege und Großtagespflege, die Besonderheiten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der jeweiligen Form herauszuarbeiten. Eine bessere Transparenz der beiden Qualitätsprofile erleichtert den Familien die Entscheidung für eine Angebotsform, die zu Kind und Eltern passt.