Studie zum Pilot-Einsatz einer Einschätzskala zur Kindeswohlgefährdung für Kinder im Schulalter (KiWo-Skala Schulkind)

im Auftrag des Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) Baden-Württemberg

Die KiWo-Skala Kita wird mittlerweile landesweit in der Praxis eingesetzt. Zunehmend wurde aber auch der Bedarf nach einer alterserweiterten Einschätzskala für den Schulkindbereich deutlich. Die FVM entwickelte deshalb im Auftrag des KVJS – Landesjugendamt die „Einschätzskala zur Kindeswohlgefährdung für Kinder im Schulalter gemäß § 8a SGB VIII (KiWo-Skala Schulkind)”.

Wie auch bei der KiWo-Skala Kita wurde die Praktikabilität der KiWo-Skala Schulkind zunächst in einem 10-monatigen Praxisdurchlauf erprobt. Die 42 teilnehmenden Einrichtungen wurden hierbei durch die FVM begleitet, wodurch eine kontinuierliche Falldokumentation vorgenommen werden konnte. Außerdem wurden 69 erfolgte Einschätzungen ausgewertet. Die Evaluation der KiWo-Skala Schulkind offenbarte eine hohe fachliche Zustimmung zur inhaltlichen Gestaltung, Handhabbarkeit sowie Verständlichkeit und Systematik der KiWo-Skala Schulkind.

Im Vergleich zur Vorgängerstudie für den Kitabereich zeigten sich trotz ähnlicher Teilnehmerzahl weniger Skaleneinsätze (69 vs. 138). Dies korrespondiert mit den aus der Statistik bekannten etwas geringeren Meldeziffern für diese Altersgruppe.

In nahezu allen ausgewerteten Fällen, in denen die KiWo-Skala zum Einsatz kam, fand anschließend ein gezielt vorbereitetes Elterngespräch statt, bei dem größtenteils Empfehlungen gegeben bzw. Vereinbarungen getroffen wurden, um die Familie zu stärken und die gegebene Situation zu verbessern.

Je höher die Gefährdungsvermutung auf Basis der KiWo-Skala Schulkind war, umso eher wurde ein zweites Elterngespräch geführt, der Träger kontaktiert, eine insoweit erfahrene Fachkraft hinzugezogen oder Kontakt zum Jugendamt aufgenommen. Die Analyse der Fallverläufe unterstreicht somit die Zuverlässigkeit und die Zweckmäßigkeit der gestuften Gefährdungsklassifikation (geringe, mittlere und hohe Gefährdungsvermutung).

Die Einrichtungen berichteten im Praxisdurchlauf über ein zielsicheres Reagieren, eine erleichterte Früherkennung, gestärkte Entscheidungsfindung und ausreichend Sicherheit bei der Erfüllung des Schutzauftrags. Außerdem rege die Skala eine kritische Auseinandersetzung mit der Problematik an und sensibilisiere den Blick für das Kindeswohl im Alltag, so die Rückmeldung der Praxis. Einige Einrichtungen gaben sogar an, dass der fachliche Austausch mit externen Stellen angeregt werde, und es im Zuge der Erprobungsphase der Skala zu einem Ausbau der Beziehungen zu Fachberatung, insoweit erfahrener Fachkraft oder dem Jugendamt gekommen sei.

Es wird empfohlen, die KiWo-Skala Schulkind und die Begleitmaterialien in der Praxis zu verbreiten, die noch nicht über ein entsprechendes (zuverlässiges) Einschätzungs- und Dokumentationsverfahren im Kinderschutzbereich verfügen.

Eine eintägige Schulung zur Struktur der Skala, zum Hintergrund der relevanten Anhaltspunkte und Gefährdungsmerkmale wie zum planvollen Vorgehen bei vorliegendem Gefährdungsverdacht ist ratsam. Der KVJS bietet entsprechende Fortbildungen an:
http://www.kvjs.de/jugend/kinderschutz/kiwo-skala-kinderschutz-in-tageseinrichtungen.html

Bensel, J., Haug-Schnabel, G., Schiller, H., Haselhofer, M. (2015). Einschätzskala Kindeswohlgefährdung für Kinder im Schulalter. Erarbeitet im Auftrag des KVJS Baden-Württemberg, Kandern: FVM.

Projektbericht:
http://www.kvjs.de/fileadmin/dateien/jugend/kinderschutz/KiWo_skala/KiWo-Skala_Stand_09_03_2016.pdf

Kopiervorlagen zur KiWo-Skala:
http://www.kvjs.de/fileadmin/dateien/jugend/kinderschutz/KiWo_skala/KiWo-Skala_Kopiervorlagen_Stand_07_03_2016.pdf